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Journalist ist ein gefährlicher Beruf

Die bekannte bulgarische Fernsehreporterin war bereits in vielen Konfliktherden und hat zahlreiche Dokumentationen aus dem Irak, Afghanistan, Tschetschenien und anderen Kriegsgebieten dieser Welt
Foto: BGNES
Die internationale Organisation „Reporter ohne Grenzen“ meldet für das vergangene Jahr eine Rekordzahl von Todesopfern unter den Journalisten weltweit. Um knapp ein Drittel ist die Zahl der Opfer 2009 gestiegen – 76 Journalisten haben ihr Leben verloren. Kriege und Wahlen waren die gefährlichsten Einsatzgebiete für die Medienvertreter. Immer mehr Blogger und Online-Dissidenten werden Opfer von gezielten Angriffen, weil sich das Internet längst zu einem Fluchtgebiet in Ländern mit stark zensurierten Medien geworden ist. Die Festnahmen und Repressalien gegen Blogger und Online-Dissidenten haben sich im vergangenen Jahr mehr als verdoppelt. Lesen wir weiter im Jahresbericht von „Reporter ohne Grenzen“, kommen wir schnell zum Schluss, dass der Journalismus mit zu den gefährlichsten gehört. Über die Gefahr, Reporter zu sein und aus den Konfliktherden dieser Welt zu berichten, unterhielt sich unsere Reporterin Tanja Harizanowa mit der bekannten bulgarischen Fernsehjournalistin Elena Jontschewa.

„Unser Job war schon immer gefährlich“, behauptet die Kriegsreporterin Elena Jontschewa. „Wir, Journalisten, sind immer kritisch, was an sich schon ein Risiko ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir innenpolitische Problematik behandeln, oder aus einem Kriegsgebiet berichten. Aus meiner Erfahrung weiß ich, dass es immer dann besonders gefährlich wird, wenn man das eigentliche Problem gefunden hat. Denn dann bedeutet es, dass man irgendwelche Interessen verletzt. In letzter Zeit fällt auf, dass immer mehr Freelancer aus den Krisengebieten berichten“, erzählt Jontschewa weiter. „Diese Kollegen haben den Schutz der großen und einflussreichen Medien nicht, und umso gefährlicher ist ihr Einsatz. Und noch eine Tendenz habe ich beobachtet – die Kriegsparteien betrachten die Reporter als Vertreter ihres jeweiligen Landes, als ein Instrument des Gegners. Erinnern wir uns nur an Belgrad – dort wurde das Fernsehen bombardiert. Im Irak wurde das Studio von Al Jazeera angegriffen“, erinnert Elena Jontschewa.

Die bekannte bulgarische Fernsehreporterin war bereits in vielen Konfliktherden und hat zahlreiche Dokumentationen aus dem Irak, Afghanistan, Tschetschenien und anderen Kriegsgebieten dieser Welt. Elena Jontschewa ist die einzige bulgarische Journalistin (und eine der wenigen überhaupt), die mit den Piraten in Somalia gesprochen hat.

„Besonders gefährlich für mich und mein Team war es im Irak, und natürlich bei den Piraten in Somalia“, sagt Elena Jontschewa. „Im Irak drehten wir nur wenige Stunden vor dem Einmarsch der Amerikaner in Bagdad. Unser Team und zwei Reporter aus Portugal wurden plötzlich angegriffen. Man warf uns vor, Spione zu sein. Die Iraker sagten uns, wir spionieren für unsere Länder, die sich ja an die Seite der USA gestellt hatten. Damals spürte ich am eigenen Leib, dass die Journalisten oft als Vertreter der Politik aufgefasst werden, und nicht als unabhängige und kritische Beobachter des Geschehens. Die Interviews mit den somalischen Piraten waren auch ein Spiel mit dem Feuer“, erinnert sich Jontschewa weiter. „Einer der Entführer sagte mir nach dem Dreh, das Interview sei, als ob die Katze die Maus zum Dinner eingeladen hätte, ohne sie zu fressen. Es war in der Tat nicht einfach, die Piraten erst mal zu finden, und dann sie zu überzeugen, mit uns zu sprechen und vor die Kamera zu treten. Die Piraten betrachten die Ausländer als wanderndes Lösegeld“, berichtet Elena Jontschewa.

Übersetzung: Vessela Vladkova
По публикацията работи: Tanja Harizanowa


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