Nach einer längeren Pause ist es wieder soweit: der Maler Entscho Pironkow lädt zu einer Ausstellung in der hauptstädtischen Galerie „Forum“ ein. Er gehört zu den bekanntesten bulgarischen Gegenwartskünstlern. Das ist nicht darauf zurückzuführen, dass er mittlerweile 83 Jahre alt geworden ist – er gilt als glänzendster Vertreter der sogenannten „Plowdiwer Schule der 60er Jahre“. Die Künstler dieser Gruppe schafften den Durchbruch im Ausland und etliche ihrer Werke sind heute Teil anerkannter Sammlungen.
Die Ausstellung von Entscho Pironkow ist ein langerwartetes Ereignis. Wie er selbst sagt, ist seine Kunst nur für jene, die geistiger Energie bedürfen, die in seinen Bildern, gemalt mit viel Liebe und Hingebung, einen Ausdruck gefunden hat. Kann seine Ausstellung als Bilanz seiner langjährigen Schaffenszeit aufgefasst werden, fragten wir den Maler:
„Bilanz kann man nicht ziehen, denn das Leben dauert nur einen Augenblick – er kann weder wiederholt, noch richtig erfasst werden. Es ist ein Augenblick, den dir nur Gott oder die Natur allein schenken können“, sagt Pironkow. „Eine Bilanz für sich allein ziehen, ist eine ganz andere Sache und meiner Ansicht nicht Aufgabe des Künstlers. Meiner Kunst liegen die menschliche Energie und der menschliche Geist zugrunde. Die Menschen interessieren sich nicht für die Bilder als materielle Werte, sondern für ihre Ausstrahlungskraft, ihre Botschaft. Gott hat den Menschen geschaffen und hat ihm Seine Energie eingehaucht. Und wer diese Energie zu nutzen versteht, macht wahre Kunst.“
Entscho Pironkow gehört zu den wenigen Malern, die bereits in jungen Jahren internationale Anerkennung geerntet haben. Dabei besitzt er keine akademische Ausbildung! Er ist ein Naturtalent, das allein den Weg zur großen Kunst gefunden hat. Zu Beginn der 60er Jahre ernteten seine Werke, die auf der Ersten nationalen Jugendausstellung in Sofia gezeigt wurden, Erfolg. Es folgten Dutzende selbständige Ausstellungen in Bulgarien, Italien, Deutschland, Ungarn, Polen und vielen anderen Ländern. Seine Bilder behandeln verschiedene Themen – ihnen gemeinsam ist jedoch der innere Dialog und Energieaustausch. Die Menschen stehen im Zentrum des Geschehens; sie unterhalten sich, tanzen, beobachten... Die Farben „bevölkern“ förmlich die Bilder und die Art und Weise des Farbauftrags verraten die Begabung des Malers.
„Die Farben sind eine Art Form, mit der die Individualität zum Ausdruck gebracht werden kann“, erörtert Pironkow. „Die Farben sind „Erreger“ – sie ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Man braucht Begabung, um aus der Fülle der Farbnuancen auszuwählen, die die Betrachter in ihren Bann ziehen und ihnen die neuen Welten eröffnen, die man geschaffen hat. Diese Begabung kann nicht erklärt werden – keiner kann es. Sie findet in den Bildern ihre materielle Umsetzung, denen Geist und Ausstrahlungskraft eigen sind, die gerade die Kunstkenner anziehen.“
Entscho Pironkow ist nicht nur Maler, er hat auch in der angewandten Kunst deutliche Spuren hinterlassen. Von ihm stammen dekorative Mosaiken, Fresken, Glasmalereien, wie auch Holz- und Metallplastiken. Pironkow hat ferner das Dekor für den historischen Spielfilm „Die Hochzeiten des Joan Assen“ geschaffen und selbst Aufführungen für das Plowdiwer Puppentheater künstlerisch gestaltet.
An wen richtet er sich mit seinen Bildern?
„Die Kunst ist immer nur für jene bestimmt, die ihrer bedürfen“, sagt der Maler. „Sie ist so entstanden – aus der geistigen Energie heraus, gedacht für Auserwählte. Denn nicht alle Menschen verspüren einen Bedarf an Geistigkeit und Kunst. Entweder hat man ihn, oder man muss ihn sich aneignen. Nur wenn man diesen Bedarf hat, ist wiederum ein Kontakt zwischen Publikum und Künstler möglich. Die Kunst bedarf ihrerseits der Liebe. Man muss sie mit Liebe machen. Ich bin davon überzeugt, dass die Kunst eine ganz persönliche Sache ist. Und darin liegt ihre Anziehungskraft. Das macht sie einzigartig und gleichzeitig unerklärbar.“
Übersetzung: Wladimir Wladimirow
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