Am 16. April 2022 begeht Bulgarien 143 Jahre seit der Verabschiedung seiner ersten Landesverfassung – der sogenannten Verfassung von Tarnowo. Das Dokument bekräftigte die demokratischen Werte des bulgarischen Volkes und legte die Grundlagen der bulgarischen parlamentarischen Demokratie. Das Grundgesetz stellte den Höhepunkt der Arbeit der 229 Abgeordneten der verfassungsgebenden Volksversammlung, die nach der Befreiung Bulgariens von osmanischer Fremdherrschaft und der Neugründung des Staates einberufen worden war.
Historiker bezeichnen die Verfassung des damaligen bulgarischen Fürstentums als eine der demokratischsten und modernsten jener Zeit. „Die Menschen erinnern sich an sie und kennen ihre Gebote, die uns heute noch unsere Freiheit sichern – Pressefreiheit, Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, die persönliche Freiheit und die aller, die in Bulgarien leben“, sagte vor Jahren der Politiker Michail Mikow, Parlamentspräsident in den Jahren 2013/14.
Das Hauptthema auf der Tagesordnung der verfassungsgebenden Volksversammlung war die Wahl einer neuen Hauptstadt. „Obwohl mit nur einer, der entscheidenden Stimme, bestimmten die Abgeordneten Sofia als die wichtigste bulgarische Stadt und das aufgrund ihrer zentralen geografischen Lage aus Sicht der nationalen Einheit“, sagte in einem Interview für „Radio Bulgarien“ Dozent Michail Gruew, Direktor des Staatsarchivs.
Die Verfassung von Tarnowo war bis zum 6. Dezember 1947 in Kraft. Während des totalitären Regimes in unserem Land wurde das Grundgesetzes zwei Mal geändert. Nach der Wende zur Demokratie wurde im Jahre 1991 eine neue Verfassung verabschiedet, die bis heute gültig ist. Seit jenem Jahr wird auf Initiative der Vereinigung der Rechtsanwälte in Bulgarien der 16. April als Tag der bulgarischen Verfassung und als Berufsfeiertag der Rechtsanwälte in unserem Land begangen.
Redaktion: Wessela Krastewa
Übersetzung: Wladimir Wladimirow
Fotos: Archiv, BGNES
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